Das Ikonenmuseum im Storchenhaus

  

  

     

 

 

Das älteste Haus in Neustadt ist das direkt neben der Liebfrauenkirche stehende "Storchenhaus". Im Jahre 1707 als ehemaliges Schul-und Lehrerhaus erbaut, überstand es als einziges Gebäude im Schutz der Kirche den Großbrand von 1727, dem alle übrigen Häuser zum Opfer fielen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es unterschiedlich genutzt, zuletzt von mehreren kirchlichen Einrichtungen der Liebfrauengemeinde. Seinen Namen hat es bei den Neustädtern von dem Storchennest, auf dem seit ca. 70 Jahren Storchenpaare nisten.

Seit 2007 nun hat das Haus eine ganz besondere Bestimmung. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten eröffnete die Neustädter Malerin Barbara Teubner hier ein Ikonen-Museum, das in Deutschland wohl einzigartig ist. Zwar gibt es ein Ikonen-Museum in Recklinghausen und in Frankfurt, aber keines, das alte historische Ikonen neben ca. 200 neu gemalten Werken der Besitzerin und Ikonen-Malerin zeigt und von ihr geführt wird.
 

Neustadts älteste Haus hat eine Seele.

Beim Betreten merkt man sofort, dass das alte Haus eine Seele hat. Die Atmosphäre ist wohltuend einladend, ja fast feierlich. Leise nimmt man den liturgischen Gesang russischer Mönche wahr, der durch die Räume zu schweben scheint. Es duftet nach Weihrauch. Kerzen brennen, die sich auf den Ikonen und dem Glanz des Goldes widerspiegelt. Das meditative Ambiente mit den farbig gestalteten Fensterbildern nimmt den Besucher gefangen.

Zur Begrüßung der Gäste und zum Erklären der ca. 200 ausgestellten Ikonen nimmt sich Barbara Teubner Zeit. Mit einem Film über Orthodoxie und die Herstellung einer Ikone erklärt sie in einer einstündigen Führung ihre "gemalten Gebete in Farbe", wie Ikonen oft genannt werden.

Mit der Eröffnung des Museums hat sich die Malerin einen Lebenstraum erfüllt.
Ihre erste Begegnung mit den "Kultbildern der orthodoxen Christenheit" hatte sie 1975 in Moskau. Nach Studienreisen nach Russland und Griechenland folgten Studienjahre bei einem russischem Meister , anschließend bei einem griechischen Ikonenmaler, der auf dem Berge Athos (der griech. Mönchsrepublik) ausgebildet worden war und bei einem deutschen Professor Berger in Restauration und Wandfresko.

Teubner malt seit mehr als 25 Jahren Kirchen-und Heiligenbilder, erhielt Aufträge von evangelischen und katholischen Kirchen in Deutschland, so auch für die Fresken in der Krypa des Klosters Plankstetten in Niederbayern.

Aus einem katholischen Elternhaus kommend hat sie eine evangelische Familie und ist durch ihre Arbeit zum orthodoxen Glauben konvertiert.

Ikonen seien ihr Beitrag zur Ökumene- die Ikone als Brücke zwischen den Konfessionen.

Die Botschaft von Ikonen als biblische Darstellung von Christus, der Gottesmutter, von Engeln und Heiligen faszinieren durch ihre subtile Ausstrahlung von Ruhe und Würde.

 

Ikonen-Malerei ist ein strenges Ritual

Das Überraschende an Ikonen ist die Leuchtkraft ihrer Farben, die aus gemahlenen Edel-und Halbedelsteinen vermischt mit einer Ei-Emulsion hergestellt werden.

Diese Eitempera stellt sich jeder Maler her. Schon die alten Meister haben damit gearbeitet.

Jede Farbe hat ihre Bedeutung. Rot steht für das Göttliche , deshalb trägt Christus immer ein rotes Untergewand, grün und blau für das Irdische. Das hochkarätige Gold soll das Himmlische symbolisieren, deshalb haben Ikonen meistens einen goldenen Hintergrund als "Fenster zur Ewigkeit".

Das Geheimnis dieser Strahlkraft auf dem Gold liegt im sogen Malkanon, einer genauen Anweisung zum Bildaufbau, der Vergoldung und der Maltechnik, die einer jahrhundertealten Tradition unterliegt und unverändert weitergegeben wird.

Der Malkanon schreibt vor, welche natürlichen Materialien verwendet werden müssen, so wie Edel- und Halbedelsteine die ewig leuchtenden mineralischen Farben liefern.Rubine und Karneole werden zu roten, Lapis Lazuli zu blauen Farbpigmenten gemahlen.

Für die Grundierung der Holztafel muss Barbara Teubner Champagner-Kreide mit Hasenhautleim auftragen die feinst geschliffen, den Malgrund ergibt.Das Blattgold wird mit einem Anschießerpinsel aufgeschlagen und nach einer Trockenzeit , man hört es am hellen Klang des Goldes, mit einem Achat poliert.
Blattgold ist so dünn, dass ca. 4000-6000 Blatt einen Millimeter ausmachen. Als Haftmittel für die Farbe auf dem Gold muss Ochsengalle zugesetzt werden.

Durch diese Zutaten bekommt die Ikone ihr Strahlen. Ikonen bestehen aus 20-25 Farbschichten, die kontinuierlich heller werdend aufeinander liegen bis hin zum klaren Weiß. So entsteht der Eindruck, dass eine Ikone von oben Licht erhält und von innen heraus strahlt.

In einer Zeit, da die meisten Kirchenbesucher Analphabeten waren, dienten Ikonen als das gemalte Evangelium. Sie lieferten die Bilder zu den Bibeltexten, daher werden Ikonenmaler auch Ikonenschreiber, Hagiografen genannt- Schreiber das Hl. Wortes. Neben dem geschriebenen Wort Gottes als Evangelium und den Liturgien als gesungene Gebete bilden Ikone die dritte Säule der Orthodoxie und jede davon hat den gleichen Stellenwert. Deshalb werden Ikonen auch nicht signiert. Der Künstler steht hinter seinem Werk zurück,er stellt seine Arbeit ganz in den Dienst seines Glaubens "Die Ikone spricht durch den Künstler", erklärt Barbara Teubner."

Die Anfertigung einer Ikone erfordert Ruhe und Geduld. Das Altar-Triptychon , das Frau Teubner für die Expo 2000 angefertigt und ausgestellt hat, beinhaltet eine Jahresarbeit von ca. 1000 Stunden.

Im "Raum der Stille" des Museums ist der Altar zu sehen neben sakralem historischem Mobilar.